Woher der Begriff kommt
GEO ist kein Marketingwort, sondern stammt aus der Forschung. Pranjal Aggarwal und fünf Mitautoren haben 2023 eine Arbeit mit dem Titel „GEO: Generative Engine Optimization“ veröffentlicht, die 2024 auf der Konferenz KDD angenommen wurde. Sie beschreibt, wie sich Inhalte so aufbereiten lassen, dass generative Suchsysteme sie eher zitieren, und misst dafür eine Verbesserung der Sichtbarkeit um bis zu 40 Prozent.
Die Autoren schreiben allerdings selbst dazu, dass die Wirkung je nach Themengebiet stark schwankt. Wer Ihnen eine feste Zahl für Ihre Branche nennt, hat sie nicht gemessen.
Seitdem ist der Begriff in die Werbung gewandert, und das ist der Grund für den nächsten Abschnitt.
Was Google selbst dazu sagt
In der Dokumentation für Websitebetreiber schreibt Google zu AI Overviews und AI Mode wörtlich: „There are no additional requirements to appear in AI Overviews or AI Mode, nor other special optimizations necessary.“ Und, noch deutlicher: „You don’t need to create new machine readable files, AI text files, or markup to appear in these features. There’s also no special schema.org structured data that you need to add.“
Das ist die wichtigste Aussage auf dieser Seite, und sie steht deshalb vor allem anderen statt versteckt am Ende: Ein großer Teil dessen, was gerade als GEO verkauft wird, ist eine Leistung, für die der größte Anbieter selbst sagt, dass es sie nicht braucht.
Das heißt nicht, dass man nichts tun kann. Es heißt, dass das Wirksame dasselbe ist wie bei guter Suchmaschinenarbeit — verständlicher, belegter, technisch sauber ausgelieferter Inhalt. Wer das hat, ist auch für KI-Systeme brauchbar. Wer es nicht hat, wird durch eine zusätzliche Datei nicht brauchbar.
Wer Ihre Seite abruft, wenn jemand eine KI fragt
Hinter „die KI liest meine Seite“ stecken verschiedene Programme mit verschiedenen Aufgaben, und sie lassen sich getrennt erlauben oder verbieten. Der Unterschied ist praktisch wichtig: Ein Crawler, der Trainingsdaten sammelt, bringt Ihnen keine Besucher. Ein Crawler, der einen Index für die Suche einer KI aufbaut, schon.
Alle vier Anbieter unten dokumentieren ihre Kennungen öffentlich. Für die automatischen Crawler gilt die robots.txt; für die zwei Abrufer, die ein Nutzer selbst auslöst, ausdrücklich nicht — OpenAI schreibt zu ChatGPT-User, robots.txt-Regeln könnten dort nicht gelten, Perplexity sagt dasselbe zu Perplexity-User. Beides steht in der Tabelle.
| Kennung | Anbieter | Wozu |
|---|---|---|
| GPTBot | OpenAI | sammelt Inhalte, die in das Training der Modelle eingehen können |
| OAI-SearchBot | OpenAI | baut den Index für die Suchfunktion in ChatGPT — der Bot, der Besucher bringt |
| ChatGPT-User | OpenAI | ruft eine Seite ab, weil ein Nutzer danach gefragt hat — beachtet die robots.txt laut OpenAI unter Umständen nicht |
| ClaudeBot | Anthropic | sammelt Inhalte für Training und Entwicklung |
| Claude-SearchBot | Anthropic | baut den Suchindex für Claude |
| Claude-User | Anthropic | ruft eine Seite auf Nachfrage eines Nutzers ab |
| PerplexityBot | Perplexity | verlinkt Seiten in den Antworten; laut Anbieter kein Training |
| Perplexity-User | Perplexity | nutzerausgelöster Abruf — beachtet die robots.txt in der Regel nicht |
| Google-Extended | steuert Training und Grounding, NICHT das Erscheinen in AI Overviews |
Der Fehler, den ich am häufigsten sehe
Die Abrufer der KI-Anbieter führen kein JavaScript aus. Was ein Skript im Browser des Besuchers zusammenbaut, existiert für sie nicht.
Für Google gilt das ausdrücklich **nicht**: Googlebot rendert JavaScript, und die AI Overviews setzen auf diesem Index auf. Wer also nur an Google denkt, kommt damit durch. Wer in ChatGPT, Claude oder Perplexity vorkommen will, nicht.
Das trifft mehr Seiten, als man denkt: Aufklappbare Fragenlisten, die erst beim Klick befüllt werden. Produktbeschreibungen, die ein Shopsystem nachlädt. Bewertungen aus einem eingebundenen Dienst. Preise, die per Skript eingesetzt werden. Auf dem Bildschirm sieht alles vollständig aus, im ausgelieferten Quelltext steht nichts davon.
Die Gegenprobe dauert eine Minute: Seite aufrufen, Quelltext anzeigen lassen, nach einem Satz suchen, der auf dem Bildschirm steht. Wird er dort nicht gefunden, ist er für die Abrufer der KI-Anbieter nicht vorhanden.
Auf dieser Website ist die Fragenliste deshalb kein Skript-Akkordeon, sondern klappt mit HTML-Bordmitteln auf. Jede Antwort steht im Quelltext, auch die zugeklappten.
Was tatsächlich hilft
Sechs Dinge, geordnet nach meiner Einschätzung — nicht nach einer Messung. Eine belastbare Rangfolge gäbe es nur mit Zahlen, die niemand hat; siehe den letzten Abschnitt. Keines davon ist neu, und genau das ist der Punkt.
- Die Antwort zuerst. Ein Absatz oben auf der Seite, der die Frage vollständig beantwortet, mit Zahl oder Definition, ohne Hinführung. Das ist der Absatz, den ein Antwortsystem übernimmt — und der Leser, der es eilig hat, ist damit auch bedient.
- Inhalt im HTML, nicht im Skript. Siehe oben.
- Belege mit Quelle und Datum. Eine Zahl ohne Herkunft ist für ein System, das zitierfähige Aussagen sucht, wertlos — und für einen Menschen, der prüft, auch.
- Strukturierte Daten, die zum sichtbaren Text passen. Google sagt, es sei nichts Besonderes nötig; nötig ist aber, dass Auszeichnung und Text dasselbe sagen. Wer zwei Listen pflegt, verliert die Auszeichnung wieder.
- Eine robots.txt, die die Such-Crawler der KI-Anbieter durchlässt. Wer OAI-SearchBot oder Claude-SearchBot sperrt, verschwindet aus deren Antworten — und bekommt dafür nichts.
- Eigener Inhalt. Ein Text, der auf zwanzig anderen Seiten genauso steht, wird nicht zitiert, sondern ersetzt.
llms.txt: ein Vorschlag, kein Standard
llms.txt ist eine Textdatei im Markdown-Format, die im Wurzelverzeichnis einer Website liegt und einem KI-System kurz erklärt, worum es geht und wo die wichtigen Seiten stehen. Vorgeschlagen hat sie Jeremy Howard am 3. September 2024.
Es ist ausdrücklich **kein** verabschiedeter Standard, sondern ein Gemeinschaftsvorschlag. Verbreitet ist er trotzdem: Chromes Prüfwerkzeug Lighthouse hat seit 2026 eine eigene Prüfung dafür, und OpenAI, Anthropic und Google veröffentlichen selbst solche Dateien.
Meine Einschätzung, damit Sie wissen, woran Sie sind: Der Aufwand ist klein und der Nachweis einer Wirkung fehlt bislang. Ich lege die Datei an, weil sie nichts kostet und nichts kaputt macht — nicht, weil ich Ihnen einen Effekt verspreche. Diese Website hat eine unter /llms.txt; Sie können hineinsehen.
Was GEO nicht kann
Es gibt keine Platzierung, die man beantragen kann, und keine Zusicherung, die jemand geben könnte. KI-Antworten unterscheiden sich von Nutzer zu Nutzer und von Frage zu Frage; dieselbe Frage zweimal gestellt kann zwei verschiedene Quellenlisten ergeben.
Auch die Messung ist schwieriger als bei der klassischen Suche. In der Search Console steht, auf welchem Platz eine Seite zu einer Suchanfrage stand. Wie oft ChatGPT sie genannt hat, steht nirgends.
Wer Ihnen „Platz 1 bei ChatGPT“ verkauft, verkauft Ihnen etwas, das es nicht gibt. Geschuldet ist die fachgerechte Arbeit — hier wie bei der Suchmaschine.