Was geht bei einem Umzug überhaupt verloren?
Nicht die Seiten, sondern ihre Adressen. Alles, was eine Suchmaschine über eine Seite weiß, hängt an ihrer URL: dass sie zu einer Frage passt, dass andere auf sie verweisen, dass Menschen sie angeklickt haben. Eine neue Adresse ist zunächst eine unbekannte Adresse.
Der Umzug besteht deshalb im Kern aus einer einzigen Aufgabe: jeder alten Adresse ihre neue zuzuordnen und diese Zuordnung so auszuliefern, dass sie auch verstanden wird. Alles andere ist Zubehör.
Verloren geht in der Praxis, was in dieser Zuordnung fehlt. Eine alte Unterseite, die niemand auf der Liste hatte, führt danach auf eine Fehlerseite. Sammelt man solche Fälle auf der neuen Startseite, entsteht kein Nutzen und der Verweis geht trotzdem verloren.
Welche Art von Umzug habe ich vor mir?
Die Antwort entscheidet, welche Schritte nötig sind. Google unterscheidet nach dem einen Merkmal, das zählt: ändern sich die Adressen oder nicht.
- Der Wechsel von unverschlüsselt auf verschlüsselt. Die Adresse ändert sich technisch, das Werkzeug zur Adressänderung ist hier ausdrücklich nicht zu benutzen.
- Der Wechsel zwischen der Fassung mit und ohne „www“, oder der Umzug auf einen anderen Server bei gleicher Adresse. Kein Fall für das Werkzeug, aber ein Fall für saubere Weiterleitungen und eine eindeutige kanonische Adresse.
- Der Wechsel auf eine andere Domain. Nur das ist der Fall, für den die Adressänderung in der Search Console gedacht ist, und nur dafür gilt der Rest dieses Textes in vollem Umfang.
- Der Umbau der Adressstruktur innerhalb derselben Domain. Auch hier gilt jede alte Adresse einzeln zugeordnet — aber das Werkzeug greift nicht, es arbeitet auf Domainebene.
Was macht eine Weiterleitung richtig?
Google empfiehlt für einen Umzug serverseitige dauerhafte Weiterleitungen, wo das technisch möglich ist. Dauerhaft heißt: der Statuscode sagt, dass die Adresse endgültig gewechselt hat, nicht dass sie vorübergehend woanders erreichbar ist.
Pfaderhaltend ist die zweite Bedingung. Eine alte Unterseite gehört auf die entsprechende neue Unterseite, nicht auf die Startseite. Wer alles auf die Startseite leitet, wirft die Zuordnung weg, für die er die Weiterleitung überhaupt eingerichtet hat.
Ein Detail, das in diesem Projekt festgeschrieben ist: Ein dauerhafter Umleitungscode auf eine Formularabsendung verwirft den Inhalt des Formulars. Wer eine Weiterleitung einrichtet, unterscheidet deshalb zwischen Abrufen und Absendungen. Für ein Kontaktformular ist das der Unterschied zwischen einer Anfrage und einer verlorenen Anfrage.
Und zuletzt die Zeit. Google rät, die Weiterleitungen möglichst lange beizubehalten, generell mindestens für ein Jahr, damit alle Signale übertragen werden. Die alte Domain so lange weiterzubezahlen, gehört zu den Kosten des Umzugs.
Wozu dient die Adressänderung in der Search Console?
Sie sagt Google ausdrücklich, dass der Wechsel gewollt und vollständig ist. Danach werden Crawling und Indexierung der neuen Adresse bevorzugt behandelt und die Signale der alten übertragen. Die Übertragung läuft nach der Einreichung befristet weiter, ein halbes Jahr lang.
Voraussetzung ist, dass beide Adressen in der Search Console als Eigentum bestätigt sind, mit demselben Konto, und dass die dauerhaften Weiterleitungen bereits stehen und abrufbar sind. Fehlt eines davon, läuft die Adressänderung ins Leere, ohne dass eine Fehlermeldung erscheint.
Nicht zu benutzen ist sie beim Wechsel auf Verschlüsselung, bei einem Umbau innerhalb derselben Domain und bei einem Umzug ohne sichtbare Adressänderung.
Was ist beim Umzug dieser Website passiert?
Diese Website lag zuvor unter pystore.de. Der Umzug auf webagentur-scherzinger.com ist im Projekt dokumentiert, einschließlich der Stellen, an denen es nicht nach Anleitung lief.
Die Weiterleitung der alten Domain läuft beim damaligen Anbieter und liefert einen vorübergehenden Umleitungscode, keinen dauerhaften; etwas anderes bietet die Oberfläche dort nicht an. Sie ist pfaderhaltend, das ist der wichtigere Teil. Eine dauerhaft stehende vorübergehende Weiterleitung behandelt Google mit der Zeit wie eine dauerhafte, und die eingereichte Adressänderung sagt die Absicht ausdrücklich. Wer es genauer will, schiebt einen Dienst davor, der den dauerhaften Code liefert.
Eine zweite Erfahrung war die Reihenfolge. Die Adressänderung war zuerst wirkungslos, weil Google die Weiterleitung noch nicht abrufen konnte — das Verschlüsselungszertifikat für die alte Domain fehlte. Erst als es installiert war, griff sie. Die Reihenfolge lautet also: Zertifikat, Weiterleitung, Abruf prüfen, dann Adressänderung.
Auf der neuen Domain sorgt eine eigene Zwischenschicht dafür, dass alles auf einer einzigen Schreibweise landet: ohne „www“, verschlüsselt, pfaderhaltend, und mit dem Unterschied zwischen Abruf und Absendung, der weiter oben steht.
Woran erkenne ich, dass der Umzug durch ist?
Nicht daran, dass die alte Adresse verschwunden ist — das dauert und ist auch kein Ziel. Sondern daran, dass im Bericht zur Seitenindexierung die neuen Adressen als indexiert stehen und die alten als weitergeleitet.
Dazu gehört ein Punkt, der leicht übersehen wird: Die kanonische Angabe auf jeder neuen Seite muss auf die neue Adresse zeigen. Google behandelt sie als starkes Signal dafür, welche Fassung die maßgebliche ist, nicht als Anweisung — widersprechen sich Weiterleitung und kanonische Angabe, entscheidet Google selbst, und meist anders als gedacht.
Was bleibt, ist die Arbeit an den Verweisen. Verzeichniseinträge, das Unternehmensprofil, Signaturen, Fahrzeugbeschriftung und Briefpapier tragen die alte Adresse weiter, und keine Weiterleitung der Welt ändert etwas an dem Eintrag, den jemand anderes verwaltet.